Im Blickpunkt: Moderne Kirchen

Von Ludwig Bamberg - Vor allen die vielfältigen Flucht- und Vertreibungsbewegungen stellten in der Nachkriegszeit die Kirchen vor das Problem, die entwurzelte und die ausgebombte Bevölkerung an ihren neuen Unterkünften zu betreuen und möglichst dafür Räume zu schaffen. Zuerst waren das die sogenannten „Nissenhütten“ der Notzeit mit ihren Wellblechprofilen. Als dann aber – meistens durch Sammlungen – eine Finanzierung auf die Beine gestellt werden konnte und Grundstücke erworben waren, wurde mancher dafür nicht ausgebildete Pfarrer zum Bauherrn und oft Gemeindemitglieder zu Bauschaffenden. Es führte auch Architekten zu einer Bauaufgabe, die in ihrer Ausbildung nie dieses Thema kennengelernt hatten. Weitum herrschte zur Formgebung Unsicherheit. Die Suche nach neuen Formen schien aber zwingend. Unter diesen Umständen war es dann doch bemerkenswert, was in der Folgezeit an neuen Kirchenbauten entstanden war.
Pastor Ulrich Schmalstieg hatte es sich in KulTourZeit am Mittwoch am 12. März zur Aufgabe gemacht, die Nachkriegsleistungen des Architekten Jo Filke vorzustellen, der fünf Kirchenentwürfe im Umraum von Bremen realisieren konnte.
Seinen Kirchen war gemein, dass es ihnen um eine einprägsame und in der Weite der Wohnsiedlungen auch auffallende Form ging. So wurde das Rechteck und eine einfache Dachfaltung gemieden und wenn ein Turm nicht finanzierbar war, wenigstens ein Dachreiter verwirklicht. Besondere Aufmerksamkeit wurde stets dem Altarraum gewidmet, der sich nicht in der Höhe abheben, vielmehr der Gemeinde nahe sein sollte. Bei der Gestaltung der oft hochaufragenden Abschlusswand kam es dabei zu sehr angemessenen Lösungen die durch eine geschickte Lichtführung die künstlerischen Darstellungen zur Geltung brachten. Es begegnete auch hier im Norden der Braunschweiger Diakon Claus Kilian als Gestalter.
Es musste darauf hingewiesen werden, dass es bei der Stellung von Altar, Tabernakel, Ambo und den Sedilien auf liturgische Kenntnisse ankommt, um deren Bedeutung recht herauszustellen. In einem Einzelfall wurde durch die Gestaltung und damit verbundene Lichtführung auf den Tabernakel dem Altar geradezu der Rang abgelaufen. Immerhin legte gerade gegen den beabsichtigten Abriss dieser Kirche, deren Umfassungswände in Beton im Grund- und Aufriss in der Form einer Spirale entwickelt waren, die Hamburger Denkmalpflege ihr Veto ein. Damit war auch das leider aktuelle Thema „Nutzung statt Abriss“ angestoßen.
Seine erste Pfarrstelle hatte Pastor Schmalstieg in St. Ansgar in Bremerhaven-Leherheide antreten können. Er konnte schildern, dass er sich in dieser Kirche wohlgefühlt habe. In der Grundrissform eines Halbkreises war hier die Gemeinde auf das Zentrum des Altares gerichtet über dem das zeltförmig ansteigende Dach seinen Höhepunkt gefunden hatte.
Den Lesern der KirchenZeitung, Nr. 5, vom 2.3. 2025 wird das Bild dieser Kirche mit dem würdigenden Begleittext „Glaubensort“ von Pastor Schmalstieg bereits aufgefallen sein.