25. März 2025

Zukunft ist WIR

Ein neues neues Format für die traditionellen Fastenpredigten ging dieses Jahr an den Start. Die Kombination von Wort und Musik war anregend.

Von Pastor Ulrich Schmalstieg - Am 2. Fastensonntag startete der Abend in der Goslarer St. Jakobi-Kirche mit den zwei lokal bekannten Jazz-Musikern Andreas Dahle und Klaus Wittig. Mit ihrem musikalischen Rahmen um den Wortbeitrag öffneten sie durch Jazz-Standards die Ohren der Zuhörenden. Es war schön zu erleben, wie die beiden mit ihren Instrumenten dem Kontrabass und der halbakustischen Gitarre miteinander im Dialog waren. Und man merkte den beiden ihre Erfahrung im Zusammenspiel an.

Anschließend begrüßte Pfarrer Mogge die Zuhörerschaft, dankte den Musikern und stellte den leitenden Oberarzt der Klinik Dr. Fontheim in Liebenburg, Herrn Dr. C. Moschner vor.

Eine Kultur des Zuhörens

Dieser stellte sich dem Thema einer „Kultur des Zuhörens“. In einer immer komplexer werdenden Welt sei das Zuhören und die Konzentrationsfähigkeit vieler Menschen in die Krise geraten. In einem ersten Teil ging er aus seiner Sicht den Gründen dafür nach. Von der Reizflut, die durch immer mehr Bilder und kurztaktige Wortnachrichten in den sozialen Medien verursacht wird, bis zu der digital verstärkten Schnelllebigkeit reichten seine Beobachtungen. Immer wieder ergänzte er durch Erfahrungen in seinem Beruf als Facharzt für Neurologie und Psychotherapie. Das Borderline-Syndrom etwa, sei ein Krankheitsbild, in dem emotional instabile Menschen auf die Komplexität überreagieren und häufiger zu Aggressionen neigten.

Im zweiten Teil seines Referates gab er Impulse für hilfreiche Haltungen beim Zuhören im Gespräch mit dem Gegenüber. Er empfahl neben Präsenz durch anteilnehmendes Zuhören Empathie (Einfühlung), Achtsamkeit und validierendes Hören und Sprechen, das von einer wertschätzenden, nicht korrigierenden Sprache geprägt ist, die die Bedürfnisse des Menschen zu spiegeln versucht. Mit dieser „Methode“ könne Gesprächspartner vermeiden, dass einer aus dem Gespräch innerlich aussteigt.

Herz statt Hass

Am 3. Fastensonntag konnte Pastor Schmalstieg den Journalisten, Songschreiber und Gitarristen Michel Strauss aus Braunschweig begrüßen. „Herz statt Hass“ war sein Thema, warum die Freiheit uns nicht zu Feinden machen dürfe. Strauss startete mit einem Song, der die Gemengelage unserer Gesellschaft einfing: Viele gute Gründe gebe es, schwarz zu sehen. Er aber werbe um die Bereitschaft zum Brückenbau, solange wir hier leben. Im Blick auf Jesu Beispiel hänge er sich an seine Zuversicht und spüre, er sei mit seiner Hoffnung nicht allein.

Anschließend bezog er sehr persönlich klar Position: Es gelte gegenwärtig, besonders der Gefahr von Rechtsaußen entgegenzutreten. Man müsse die Ideologie der AFD durchschauen. Deren Ziel sei es, die Demokratie demokratisch zu unterwandern, um sie zu Fall zu bringen. Demokratie müsse in gewisser Weise neu gelernt werden. Der Mühsal des demokratischen Dialogs dürfe man nicht ausweichen, vielmehr sei dieser Prozess unbeirrt weiter zu führen.

Unser Grundgesetz habe seine inhaltliche Kraft aus der Niederlage des Jahres 1945 bezogen. Danach habe die BRD die große Chance erhalten, in den Grundrechten eine Verfassung der Toleranz und des Schutzes der Freiheit zu entwickeln. Vierzig Jahre später konnten die Ostdeutschen an dieser erprobten Freiheit teilnehmen. Die Grundrechte seien in Abwehr undemokratischer Kräfte entstanden. Allen Menschen, die in Deutschland leben, sprechen sie Menschenwürde, Recht auf Leben, Gleichheit aller vor dem Gesetz, Glaubens- und Gewissensfreiheit, Freiheit der Meinung, der Kunst und der Wissenschaft zu. Werte, die Extremisten gerne für manche Personengruppen eingeschränkt sehen wollten.

Mit einem musikalischen Intermezzo unterbrach Strauss seinen intensiven Gedankenfluss.

Im zweiten Teil benannte er einen weiteren Grund, der zurzeit viele Menschen verunsichere: er sehe ihn in dem Gefühl vieler, die Zukunft sei begrenzt, die Politiker überfordert und nicht in der Lage genügend für die Zukunftssicherung zu unternehmen. Solche Gefühle, verstärkt durch intensiven Gebrauch der sozialen Medien, die oft zur negativen Zuspitzung neigten, wie TikTok, Plattform X oder Instagram, hätten zur Folge, dass die Freiheit der Wahl und Entscheidung immer mehr als Last, denn als Chance, erscheine. Sie wirkten für immer mehr Menschen bedrohlich. So entlade sich das Gefühl der Überforderung immer öfter in Hasskommentaren und schließlich im offenen Hass in der greifbaren Welt.

Michael Strauss ermutigte die Zuhörer: Diese Zeit sei für uns Christen eine wichtige Zeit, eine Zeit der Bewährung. Die Kirchen sollten teilnehmen an den politischen Debatten, sie trügen Mitverantwortung fürs Gemeinwohl. Ihre Stärke liege darin, sich einbringen zu können mit Vernunft und Hoffnung. Es gelte Ruhe zu bewahren und mit dazu beizutragen, der Menschlichkeit und dem Recht Stärke zu verleihen. Im Schluss-Song griff er ein Zitat Friedrich Hölderlins auf: „Mein Haus sei auch dein Haus und das ist nicht schwer“.

Bevor die Zuhörenden, wie auch am ersten Abend, noch bei einem Getränk die „Anstiftungen zum Weiterdenken“ aufnahmen, gab Michael Strauss gern noch eine Zugabe. In dem Song „Zweiter Blick“ würdigte er den Künstler Gerd Winner, mit dem er in intensive Zusammenarbeit gekommen sei. Er führe ihn an die Quellen seiner Seele.


Präventionsfortbildung

Stadt - Land - Gott

Schutzkonzept

Webshop Goslarsche Höfe

Soziale Netzwerke

25. März 2025

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Ein neues neues Format für die traditionellen Fastenpredigten ging dieses Jahr an den Start. Die Kombination von Wort und Musik war anregend.

Von Pastor Ulrich Schmalstieg - Am 2. Fastensonntag startete der Abend in der Goslarer St. Jakobi-Kirche mit den zwei lokal bekannten Jazz-Musikern Andreas Dahle und Klaus Wittig. Mit ihrem musikalischen Rahmen um den Wortbeitrag öffneten sie durch Jazz-Standards die Ohren der Zuhörenden. Es war schön zu erleben, wie die beiden mit ihren Instrumenten dem Kontrabass und der halbakustischen Gitarre miteinander im Dialog waren. Und man merkte den beiden ihre Erfahrung im Zusammenspiel an.

Anschließend begrüßte Pfarrer Mogge die Zuhörerschaft, dankte den Musikern und stellte den leitenden Oberarzt der Klinik Dr. Fontheim in Liebenburg, Herrn Dr. C. Moschner vor.

Eine Kultur des Zuhörens

Dieser stellte sich dem Thema einer „Kultur des Zuhörens“. In einer immer komplexer werdenden Welt sei das Zuhören und die Konzentrationsfähigkeit vieler Menschen in die Krise geraten. In einem ersten Teil ging er aus seiner Sicht den Gründen dafür nach. Von der Reizflut, die durch immer mehr Bilder und kurztaktige Wortnachrichten in den sozialen Medien verursacht wird, bis zu der digital verstärkten Schnelllebigkeit reichten seine Beobachtungen. Immer wieder ergänzte er durch Erfahrungen in seinem Beruf als Facharzt für Neurologie und Psychotherapie. Das Borderline-Syndrom etwa, sei ein Krankheitsbild, in dem emotional instabile Menschen auf die Komplexität überreagieren und häufiger zu Aggressionen neigten.

Im zweiten Teil seines Referates gab er Impulse für hilfreiche Haltungen beim Zuhören im Gespräch mit dem Gegenüber. Er empfahl neben Präsenz durch anteilnehmendes Zuhören Empathie (Einfühlung), Achtsamkeit und validierendes Hören und Sprechen, das von einer wertschätzenden, nicht korrigierenden Sprache geprägt ist, die die Bedürfnisse des Menschen zu spiegeln versucht. Mit dieser „Methode“ könne Gesprächspartner vermeiden, dass einer aus dem Gespräch innerlich aussteigt.

Herz statt Hass

Am 3. Fastensonntag konnte Pastor Schmalstieg den Journalisten, Songschreiber und Gitarristen Michel Strauss aus Braunschweig begrüßen. „Herz statt Hass“ war sein Thema, warum die Freiheit uns nicht zu Feinden machen dürfe. Strauss startete mit einem Song, der die Gemengelage unserer Gesellschaft einfing: Viele gute Gründe gebe es, schwarz zu sehen. Er aber werbe um die Bereitschaft zum Brückenbau, solange wir hier leben. Im Blick auf Jesu Beispiel hänge er sich an seine Zuversicht und spüre, er sei mit seiner Hoffnung nicht allein.

Anschließend bezog er sehr persönlich klar Position: Es gelte gegenwärtig, besonders der Gefahr von Rechtsaußen entgegenzutreten. Man müsse die Ideologie der AFD durchschauen. Deren Ziel sei es, die Demokratie demokratisch zu unterwandern, um sie zu Fall zu bringen. Demokratie müsse in gewisser Weise neu gelernt werden. Der Mühsal des demokratischen Dialogs dürfe man nicht ausweichen, vielmehr sei dieser Prozess unbeirrt weiter zu führen.

Unser Grundgesetz habe seine inhaltliche Kraft aus der Niederlage des Jahres 1945 bezogen. Danach habe die BRD die große Chance erhalten, in den Grundrechten eine Verfassung der Toleranz und des Schutzes der Freiheit zu entwickeln. Vierzig Jahre später konnten die Ostdeutschen an dieser erprobten Freiheit teilnehmen. Die Grundrechte seien in Abwehr undemokratischer Kräfte entstanden. Allen Menschen, die in Deutschland leben, sprechen sie Menschenwürde, Recht auf Leben, Gleichheit aller vor dem Gesetz, Glaubens- und Gewissensfreiheit, Freiheit der Meinung, der Kunst und der Wissenschaft zu. Werte, die Extremisten gerne für manche Personengruppen eingeschränkt sehen wollten.

Mit einem musikalischen Intermezzo unterbrach Strauss seinen intensiven Gedankenfluss.

Im zweiten Teil benannte er einen weiteren Grund, der zurzeit viele Menschen verunsichere: er sehe ihn in dem Gefühl vieler, die Zukunft sei begrenzt, die Politiker überfordert und nicht in der Lage genügend für die Zukunftssicherung zu unternehmen. Solche Gefühle, verstärkt durch intensiven Gebrauch der sozialen Medien, die oft zur negativen Zuspitzung neigten, wie TikTok, Plattform X oder Instagram, hätten zur Folge, dass die Freiheit der Wahl und Entscheidung immer mehr als Last, denn als Chance, erscheine. Sie wirkten für immer mehr Menschen bedrohlich. So entlade sich das Gefühl der Überforderung immer öfter in Hasskommentaren und schließlich im offenen Hass in der greifbaren Welt.

Michael Strauss ermutigte die Zuhörer: Diese Zeit sei für uns Christen eine wichtige Zeit, eine Zeit der Bewährung. Die Kirchen sollten teilnehmen an den politischen Debatten, sie trügen Mitverantwortung fürs Gemeinwohl. Ihre Stärke liege darin, sich einbringen zu können mit Vernunft und Hoffnung. Es gelte Ruhe zu bewahren und mit dazu beizutragen, der Menschlichkeit und dem Recht Stärke zu verleihen. Im Schluss-Song griff er ein Zitat Friedrich Hölderlins auf: „Mein Haus sei auch dein Haus und das ist nicht schwer“.

Bevor die Zuhörenden, wie auch am ersten Abend, noch bei einem Getränk die „Anstiftungen zum Weiterdenken“ aufnahmen, gab Michael Strauss gern noch eine Zugabe. In dem Song „Zweiter Blick“ würdigte er den Künstler Gerd Winner, mit dem er in intensive Zusammenarbeit gekommen sei. Er führe ihn an die Quellen seiner Seele.


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